Wolfgang Sommer: Aquarienfotografie (1994)
Posted on 18. November 2011
Nach den 1980ern sind die 1990er-Jahre mit ihrer Literatur zur Aquarienfotografie an der Reihe. Den Anfang macht dieses Werk, veröffentlicht von Wolfgang Sommer 1994 im Urania-Verlag. Um es gleich zu Beginn vorweg zu nehmen: Obwohl es sich zu einem großen Teil mit der damals aktuellen Kameratechnik auseinandersetzt, ist das Buch für den theoretisch interessierten Aquarienfotografen auch heute noch uneingeschränkt empfehlenswert. Also unbedingt zuschlagen wenn es einem antiquarisch in die Hände fällt. Auf 72 Seiten werden die Anforderungen an die Aquarientechnik, Fotobecken, Fotogeräte und fototechnische Grundlagen, Blitzen durch Glas und einiges mehr behandelt. Im Folgenden sollen ein paar der interessantesten Punkte herausgegriffen werden.
Das Fotobecken
“Die aktuelle Aquarienfotografie bedient sich heute kaum enger Glasgefäße. Sie ist vielmehr bestrebt, in angemessenen Spezialbecken und mit Hilfe züchterischer Erkenntnisse optimale biologische und fotografische Erfordernisse in Einklang zu bringen.”
(Sommer, 1994: 11)
Schwer wird man an anderer Stelle in so komprimierter Form Tipps und Tricks zur Gestaltung und zum technischen Aufbau von Fotobecken finden. Vom Glas über die Filterung und Beleuchtung über Ratschläge zur Inneneinrichtung bis hin zur Hintergrundgestaltung wird alles behandelt und mit sehr anschaulichen Zeichnungen illustriert. Auch wer einen “Fotoarbeitsplatz” mit Blitzschienensystem über den Aquarien plant, sollte einen Blick in das Buch riskieren.
Die Lichtführung
“Der Fotograf sollte immer versuchen, durch unterschiedliche Leuchtenanordnungen mehr Räumlichkeit, Kontrast und Natürlichkeit in seine Lichtbildserien zu bringen.”
(Sommer, 1994: 45)
Ausführlich behandelt werden ebenfalls die Lichtführung und das “Blitzen durch Glas”. Aufbauten mit bis zu fünf Lichtquellen, also entfesselten Blitzen, werden beschrieben. Hauptleuchte, Leuchte mit variablen Abstand, Oberlicht, Gegenlicht, seitliches Gegenlicht und Seitenlicht werden wieder mit Hilfe von Zeichnungen erklärt. Überlegungen zu Reflexionen, Schatten und der “verbotenen Zone” (Gegenstände in dieser Zone spiegeln sich in der Frontscheibe) runden die Thematik ab und sind auch heute noch ohne Abwandlung genauso anwendbar. Während in einigen Werken, die auch noch Jahre später veröffentlicht wurden, Verlagerungen der Aufnahmeachse empfohlen werden, um Reflexionen durch den internen Blitz zu verhindern, weist Sommer hier schon ausdrücklich darauf hin, dass zu starke Neigungen oder Verschiebungen aus der senkrechten Lage zu starken optischen Verzeichnungen und Unschärfen führen können. Er empfiehlt deswegen immer eine möglichst senkrecht verlaufende Aufnahmeachse anzustreben und stattdessen nur den Winkel der externen Lichtquellen zur Frontscheibe zu verändern. Im Zeitalter hochauflösender Digitalkameras ist dieses Vorgehen wohl noch wichtiger als je zuvor, um entsprechende Detailschärfe zu erhalten.
Das Fotoobjekt
“Dem Beginn aller Bemühungen, diese in Frage kommenden Tiere [Aquarienfische und alle anderen Wasserlebewesen] und Pflanzen im Bild festzuhalten, muß eine eingehende Beschäftigung mit den Objekten vorausgehen. Das ist ganz entscheidend für die spätere Entwicklung der Bildidee, des Bildinhaltes und damit natürlich auch für die Qualität der fotografischen Aufnahme.”
(Sommer, 1994: 58)
Den Abschluss bildet ein Kapitel, das die Fotomotive selbst behandelt. Sommer unterscheidet zwischen ortsfesten Objekten (Pflanzen, Korallen, etc.), Habitusaufnahmen, Verhaltensaufnahmen, Aufnahmen zur wissenschaftlichen Dokumentation von Aquarienfischen und Aufnahmen von sonstigen Wasserlebewesen. Interessante Lösungswege werden für die Fotografie einzelner Pflanzen in Pflanzenaquarien aufgezeigt, auch die Bedeutung eigener Beobachtungen kann man nur unterstreichen. Um Aquarienfische und auch alle anderen Wasserlebewesen ins rechte Licht setzen zu können, muss man neben aller Fototechnik vor allem die Tiere und ihre Verhaltensweisen kennen und verstehen.


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