Aquarienfotografie von vor knapp 30 Jahren: Teil 2
Posted on 25. Dezember 2010
Nach dem ersten Teil befasst sich dieser Artikel mit der Aquarienfotografie im wörtlichen Sinn. Das Ablichten des gesamten Beckens, gelegentlich auch in der Raumsituation, ging lange Zeit in der “Fischfotografie” beinahe unter. Marcuse und Marcuse widmeten der Thematik aber ein paar Seiten und Bilder, sie schreiben dazu unter anderem:
“Die Kamera wird auf ein Stativ gesetzt. Bildausschnitt und Schärfe werden festgelegt. Im Raum sollte jetzt nur noch die Beckenbeleuchtung eingeschaltet sein. Mit dem eingebauten Belichtungsmesser oder mit einem Handbelichtungsmesser werden Belichtungszeit und Blende ermittelt und dann eingestellt. Da wir fast immer auf längere Belichtungszeiten kommen, sollte man Filter und Durchlüfter im Aquarium abschalten, da sonst Bewegungsunschärfen durch herumwirbelnde Luftblasen auftreten. Soll nur das Aquarium fotografiert werden, können wir mit den Aufnahmen nun beginnen.”
(Marcuse, 1983: Aquarienfotografie. Essen. S.35)
Diese Empfehlungen kann man heute unverändert übernehmen. Das Vorbeugen von Reflexionen durch das Abdunkeln des Raumes und die Verwendung eines Stativs aufgrund der meist langen Verschlusszeiten sind noch immer die wichtigsten Punkte, wenn sie sich auch nicht in jeder Situation umsetzen lassen. Außerdem empfehlen die Autoren, will man auch die Umgebung des Aquariums mit ablichten, die Verwendung von Kompaktblitzen um den Raum auszuleuchten. An anderer Stelle weisen sie darauf hin, dafür die Zimmerbeleuchtung zu verwenden. Die zweite Variante ist im digitalen Zeitalter sicherlich zu bevorzugen, wenn man nicht über eine wirklich umfangreiche Blitzanlage verfügt. Ursprüngliche Probleme, wie z.B. das finden des richtigen Filmmaterials bestehen heute nicht mehr. Der Weißabgleich lässt sich bei richtig gewählten Aufnahmeeinstellungen im Nachhinein am Rechner einstellen, Belichtungsreihen lassen sich verrechnen, um den hohen Dynamikumfang in den Griff zu bekommen.
Ein weiterer Tipp, der zum Nachmachen einlädt:
“Haben wir im oberen Teil des Beckens zu viel Licht, was beispielsweise bei sehr hohen Becken oft der Fall ist, und wird gleichzeitig der Bodengrund durch großblättrige Pflanzen stark abgeschattet, ist das für gute Aufnahmen recht ungünstig. Ein einfaches Hilfsmittel ist in diesem Fall ein Streifen dünnen grünen Seidenpapiers, der zwischen Deckscheibe und Beckenbeleuchtung gelegt wird. [...] So erhalten wir ein weiches, gleichmäßig verteiltes Licht in unserem Aquarium.”
(Marcuse, 1983: S.38)
Bei meinen Versuchen brachte es wenig Besserung, doch die weitere Streuung des Aquariumlichts macht Sinn und bringt je nach Beleuchtungsform sicherlich Besserung. Der hohe Dynamikumfang lässt sich wie oben allerdings schon angesprochen je nach Aufwand auch mittels digitaler Technik in den Griff bekommen, auch die Verwendung eines Grauverlauffilters kann entsprechende Wirkung haben.
Der Weißabgleich
Neben der Vermeidung von Reflexionen, Unschärfen und neben der richtigen Belichtung ist heute aus meiner Sicht der Weißabgleich der wichtigste Punkt bei guten Aquarienaufnahmen. Die dauerhafte Mischlichtsituation aus drei und mehr Lichtquellen bei Aufnahmen, die auch den Raum um das Aquarium zeigen, führt zu einer ständigen Gratwanderung. Hier macht es aus meiner Sicht Sinn, sich der modernen Technik zu bedienen, einzelne Bildbereiche heraus zu greifen, ihnen einen eigenen Weißabgleich zu verpassen und sie danach wieder zusammen zu setzen.
“Können und Wissen sind zwar das Rezept für gute Aufnahmen, aber man braucht darüber hinaus vor allem Geduld. Erst dann kommt man durch lange und intensive Arbeit zu guten Ergebnissen und hat Freude an seinen Aufnahmen.”
(Marcuse, 1983: S.39)


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