Available Light in der Aquarienfotografie
Posted on 22. Mai 2010
„Available Light“ (AL) bedeutet in der Fotografie, dass nur das schon vorhandene Licht genutzt, also auf Blitzlicht oder zusätzliches Dauerlicht verzichtet wird. Im Unterschied zu anderen Bereichen der Makrofotografie (Insekten, Blüten, …) ist entfesseltes Blitzlicht in der Aquarienfotografie die übliche Lichtquelle für gute Fotos. Das liegt zum einen daran, dass Aquarien vergleichsweise schwach beleuchtet werden, zum anderen an den Motiven, die sich fast immer mehr oder weniger in Bewegung befinden. Trotzdem kann AL in der Aquarienfotografie notwendig werden. Sei es weil im Schauaquarien Blitzverbot herrscht, weil der natürliche Lichteindruck dokumentiert werden soll, weil es die technischen Voraussetzungen verlangen, oder weil man einfach die Herausforderung sucht.
Das grundsätzliche Problem: Zu wenig Licht für die nötige Verschlusszeit und damit unscharfe Bilder. Die logische Konsequenz sind hohe ISO-Werte und eine große Blende.
Ein genaues Patentrezept gibt es nicht, da diese Art der Fotografie stark situations- und motivabhängig ist. Grundsätzlich gilt beim ISO-Wert der alte Spruch: So niedrig wie möglich, so hoch wie nötig. Auch seine persönliche Grenze sollte man im Hinterkopf behalten, bei der man mit dem Bildrauschen (gegebenenfalls nach der Nachbearbeitung am PC) noch leben kann. Keineswegs muss dieser Wert nämlich mit dem maximal einstellbaren Wert der eigenen Kamera übereinstimmen. Verschlusszeit und Blende hängen vor allem vom Motiv ab. Während zum Beispiel schnelle Fische kurze Verschlusszeiten erfordern, liegt das Hauptaugenmerk bei Garnelen und kleinen Krabben auf einer ausreichenden Schärfentiefe, also auf der Blende. Damit ergibt sich auch die jeweilige Wahl der Belichtungsautomatik, abhängig vom Motiv bietet sich die Blendenautomatik (je nach Hersteller „Tv“ oder „S“) oder die Zeitautomatik („Av“ oder „A“) an.
Reflexionen
Spiegelungen und Reflexionen sind in der Aquarienfotografie immer ein Problem. Da bei AL-Fotografie aber auch alle Lichtquellen auf die Belichtung Einfluss haben, die beim Einsatz von Blitzlicht dafür viel zu schwach wären, steht man hier vor größeren Herausforderungen. Um Selbstportraits vorzubeugen empfiehlt sich deswegen schwarze Oberbekleidung (kein blaues Hemd, siehe rechts). Auch die oft empfohlene Gummi-Streulichtblende spielt hier ihre Vorteile aus. Durch das direkte Anlegen der Gummiblende an das Aquarienglas kann man Reflexionen ausschließen.
Die Streulichtblende bietet in diesem Fall einen weiteren Vorteil. Der direkte Kontakt mit dem Glas hat eine stabilisierende Wirkung, was teilweise längere Verschlusszeiten ermöglicht ohne zu verwackeln. Es kann sich generell lohnen, die Gelegenheiten zum Ab- und Aufstützen zu nutzen die sich einem bieten. Handgriffe, Vorsprünge vor den Aquarien oder auch eine Wand können als Stativersatz dienen, was bei kleinen Motiven auch das genaue Scharfstellen erleichtert.
Bei allen Nachteilen der AL-Fotografie in der Aquarienfotografie kann sie trotzdem zu sehr reizvollen Ergebnissen führen. Natürliche Hintergrundausleuchtung und die Möglichkeit eines Mitziehers, wie er aus der Motorsport-Fotografie bekannt ist, sind nur zwei Beispiele. Deswegen: Den Blitz gelegentlich in der Tasche lassen, es kann sich auszahlen.


Hallo Peter,
Die Qualität der gezeigten Fotos ist bei den hohen ISO-Werten beeindruckend! Wurde nachträglich zusätzlich per Software entrauscht?
Ich möchte noch folgende Anmerkungen ergänzen:
Kompaktkameras mit ihren sehr kleinen, dicht gepackten Sensoren und auch Digitale Consumer-Spiegelreflexkameras, die schon einige Jahre alt sind, weisen i.d.R. sehr hohes Rauschen auf, im Vergleich zu aktuellen, hochwertigen DSLR. Da kann man oft nur bis ISO 800 oder weniger hochgehen …
Auch beim sehr starken Verkleinern der Fotos, z.B. zur Darstellung auf dem Monitor, reduziert sich ein möglicherweise starkes Rauschen des Originals oft auf ein erträgliches Mass.
Hi Dirk,
ja, die Fotos wurden mit Noiseware Pro entrauscht.
Der maximale ISO-Wert, den man bereit ist einzustellen, ist immer ein Kompromiss aus den Gegebenheiten der Aufnahmesituation, dem persönlichen Anspruch an die Bildqualität und dem späteren Verwendungszweck des Fotos.
In absoluten Werten ausgedrückt ist er natürlich maßgeblich von der verwendeten Kamera abhängig, hier kann ich mich deinen Ausführungen nur anschließen, danke dafür.
Schöne Grüße
Peter