bildformat

Bildkomposition und Gestaltung Teil 2: Bildformat und Bildausschnitt

Posted on 14. Dezember 2009

“Philosophische, lyrische manchmal sogar obskure Kommentare über die Entstehung und die Bedeutung von Fotografien hören und lesen wir ständig – meist von Menschen, die mit Fotografie rein gar nichts zu tun haben.”

(Freeman, 2007: 6)

Nach der “quick and dirty” – Einführung in drei klassische Gestaltungsregeln im 1. Teil behandelt Teil 2 eine einfach messbare Eigenschaft von Bildern, das Bildformat.

Grundlagen zum Format

Das Bildformat bezeichnet die Abmessungen des Bildes. Da das Foto sowohl auf Platten, Film als auch auf digitalen Sensoren rechteckig festgehalten wird, besteht ein direkter Zusammenhang zu einem bestimmten Seitenverhältnis. Vor dem Aufkommen der digitalen Fotografie wiesen die allermeisten Fotografien das klassische 3:2 Kleinbildformat auf. Die Größe von 36x24mm und damit das Format entstand mehr oder weniger durch einen historischen Zufall, es gibt keine ästhetische Gesichtspunkte die dieses Seitenverhältnis gerechtfertigt hätten. Weniger gestreckte Formate wirken sogar natürlicher, wie vom Bilderrahmen über das Fotopapier bis zum Computermonitor viele Präsentationsarten zeigen. Deswegen ist es wenig verwunderlich, dass im Zuge der Digitalisierung, die den Zwang der Filmbreite egalisierte, die neuen Freiheiten in den aufkommenden digitalen Kompaktkameras genutzt wurden, sie setzten und setzen großteils auf ein Format von 4:3. Trotz all dieser Vorteile wurden in der Anfangszeit auf professionelle digitale Spiegelreflexkameras das klassische 3:2 Format nahtlos übernommen. Neben dem durch die technischen Randbedingungen vorgegebenen Seitenverhältnis, das entweder direkt bei der Aufnahme festgelegt wird, oder in der Entwicklung bzw. Nachbearbeitung fixiert wird, bezeichnen Hoch- und Querformat eine horizontale oder vertikale Ausrichtung des Bildes. Wesentlich häufiger werden Querformate geschossen, was mehrere Gründe hat. Zum einen spielt die Ergonomie der Kameras eine Rolle, die auf eine horizontale Haltung ausgerichtet sind, eine Verdrehung um 90 Grad wird meist vermieden, da der Komfort erheblich darunter leidet. Zum anderen entspricht das Querformat noch am ehesten dem menschlichen Blickfeld, was einen natürlicheren Bildeindruck mit sich bringt. Dem gegenüber steht das Hochformat, das abgesehen von den Gestaltungsmöglichkeiten eine bedeutende Rolle bei Printveröffentlichungen spielt, da es besser mit Buch- und Heftseiten korrespondiert. (Vgl. Freeman, 2007: 9 ff.)

Durch die digitale Bildbearbeitung ist es sehr einfach möglich, das Format vollkommen frei zu wählen. Es macht aber durchaus Sinn auf die klassischen Seitenverhältnisse und die rechteckige Form zu setzen. Sie sind dem Betrachter vertraut, er findet sich schnell zurecht und man läuft nicht Gefahr, dass ein ungewöhnliches Format in der Wahrnehmung das Bild und dessen Inhalt überlagert.

Wie oben beschrieben entwickelte sich 3:2 zu Filmzeiten, im Vergleich zu 4:3 und ähnlich “dicken” Formaten wirkt es breiter und fordert schon fast eine strikte horizontale Ausrichtung. Trotz dieser Einschränkung kann man es auch heute als Standard für übliche Querformataufnahmen bezeichnen. Im Gegensatz dazu ist das dazugehörige Hochformat 2:3 alles andere als leicht zu handhaben. Es wirkt sehr gestreckt und ist für eine Vielzahl von Motiven, die eigentlich nach einem Hochformat verlangen, alles andere als ideal.

Praxis in der Aquarienfotografie

Idealerweise wird das Bild bereits im Sucher bzw. auf dem LCD-Bildschirm “komponiert” und ein nachträglicher Schnitt ist unnötig. Das funktioniert mit ein bisschen Übung bei ruhenden oder langsamen Motiven verhältnismäßig gut, aber gerade in der Aquarienfotografie tritt oftmals die Situation ein, dass man durch die starke Bewegung der relativ kleinen Motive mit ganz anderen Dingen zu kämpfen hat als mit dem millimetergenauen Schnitt. Bei den modernen hochauflösenden Kameras gilt in dem Fall: Im Zweifel immer etwas mehr an Luft bzw. Wasser auf allen Seiten lassen. Nichts ist ärgerlicher als ein Bild, bei dem das Motiv wunderbar abgebildet ist, aber für den “richtigen” Schnitt ein paar Zentimeter fehlen.

Für das Festlegen des Bildausschnittes im Zuge der Bildbearbeitung kann man neben den üblichen Gestaltungsregeln und den klassischen Formaten noch ein paar weitere ganz praktische Punkte im Hinterkopf behalten:

  • mehr Raum in Blickrichtung als hinter dem Tier
  • Kiessäule wegschneiden
  • keine Flossenspitzen und Fühler abschneiden
  • Hintergrund miteinbeziehen
  • keine abgeschnittenen Pflanzenteile, Einrichtungsgegenstände oder gar Technik in die scharfen Bildbereiche ragen lassen
  • keine Nebenmotive anschneiden (z.B. andere Fische), entweder ganz drauf, oder ganz weg
  • bei einem Portrait: entweder Detailaufnahme (nur Kopf) oder Gesamtaufnahme (mit ALLEN Flossen), keine halben Sachen

Diese Punkte sollen zur Anregung dienen, nicht in jedem Fall führen sie alle in Kombination zum besten Ergebnis, manchmal erlauben die Umstände keinen anderen Schnitt, in den allermeisten Fällen wählt man das geringere Übel und auch ein bewusstes Brechen mancher dieser Vorgaben kann einem Bild gut tun.

Quellen und weiterführende Informationen:
- Freeman, Michael: Der fotografische Blick. Bildkomposition und Gestaltung.
München: Markt+Technik Verlag. 2007

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